John Thomson, Medical Research Center Human, Genetics Unit, Edinburgh, Schottland
Projekt 2015
DNA-Modifikationen in Nierentumoren
Wenn Krebserkrankungen entstehen, bleibt es manchmal nicht beim ursprünglichen Krankheitsherd: Tumorzellen können sich lösen und in entfernte Organe streuen. Wo sich diese Metastasen ansiedeln und wie aggressiv sie sind, hängt davon ab, aus welchen Zellen sie stammen und welchen Weg sie im Körper nehmen.
Welche Aufgabe ein Gewebe oder Organ erfüllt, wird unter anderem durch die Aktivität seiner Gene bestimmt. Diese wiederum wird nicht nur vom genetischen Code gesteuert, sondern auch von sogenannten epigenetischen Veränderungen (z.B. durch chemische Markierungen an der DNA). Diese Veränderungen werden häufig von der Umgebung der Zellen bestimmt. Frühere Studien haben gezeigt, dass ein bestimmtes DNA-Merkmal, das sogenannte 5-Hydroxymethylcytosin (5hmC), je nach Gewebe ganz charakteristische Muster aufweist. Auffällig ist zudem: Diese Muster verändern sich je nach Krebsart und abhängig vom Kontakt mit krebsauslösenden Substanzen ganz gezielt. Sie geben also Hinweise darauf, welche Identität eine Zelle hat und welche molekularen Störungen sie durchlaufen hat – etwa während der Krebsentwicklung.
In der aktuellen Untersuchung sollen diese 5hmC-Muster im gesamten Erbgut verglichen werden: in gesundem Gewebe, in primären Nierentumoren und in den dazugehörigen Metastasen. Dafür kommen modernste DNA-Sequenzierungstechniken zum Einsatz.
Ziel ist es, besser zu verstehen, welche molekularen Prozesse zur Metastasierung führen – und ob sich anhand der 5hmC-Profile sogar erkennen lässt, aus welchem Ursprungsgewebe eine Metastase stammt.

